100 Jahre Kleingärtnerverein Flintbek e.V.

100 Jahre Kleingärtnerverein Flintbek e.V.

Der Wettergott meinte es gut mit uns. Verfinsterten am Vormittag noch größere Wolkenfelder den Himmel, so brach doch pünktlich, wie auch auf den Einladungen bestellt, die Sonne hervor und gab der Jubiläumsfeier einen würdigen Rahmen.

Bald an die 200 Personen tummelten sich auf der dekorativ bunt hergerichteten Festwiese. Erfreut zeigte sich der Vorsitzende bei der Begrüßung aller Anwesenden, dass sich auch Mitglieder der Gemeindevertretung, vertreten durch Herrn Bürgermeister Plambeck und Herrn Bürgervorsteher Pieczonka, der Vorsitzende des Fördervereins Freibad Herrn Briege als auch der 2.Vorsitzende des Kieler Kreisverbandes der Kleingärtner Herr Froese, dem Verein ihre Referenz erwiesen. Dieser bekundete in einer kurzen Ansprache die Bedeutung unseres Vereins für das Gemeinwohl und wünschte dem Verein für die Zukunft alles Gute. Dann konnte das Kuchenbuffet eröffnet werden. Viele Kleingärtnerinnen hatten hier ihren Beitrag geleistet. Und wie sich herausstellte nicht umsonst, denn das Buffet wurde leergeputzt. Anzumerken ist, dass auf Mitgliederbeschluss erfreulicherweise von Einweggeschirr Abstand genommen werden sollte, um so der Umwelt unnötige Belastungen zu ersparen.

      

Ein kurzer Rückblick in die vergangen 100 Jahre durch den Vorsitzenden warf doch so manche Frage auf, wie es früher einmal gewesen sei. Umfangreiche Recherchen wurden in einer Chronologie für jeden lesbar verteilt, dazu gab es die Möglichkeit, eine ausführliche Chronik über den Verein für 9,90 € zu erwerben. Während die erwachsenen Gartenfreunde sich redselig den letzten Kaffee genehmigten, tummelte sich der Nachwuchs bis in die späten Abendstunden auf einer Hüpfburg oder belegte das vom HSV-Fanclub überlassene Glücksrad, bis es letztlich wegen fortgeschrittener Zeit seine Runden beenden musste, denn schließlich sollte natürlich auch der Abendhunger durch den Grill gestillt werden. Zwischenzeitlich hieß es „Wer weiß denn sowas“- ein Spiel, bei dem so mancher ins Grübeln kam. Hatten die Fragen doch alle etwas mit Garten zu tun. Oder hätten sie gewusst, dass der größte Kürbis 2016 insgesamt 1190 kg wog? So verging die Zeit wie im Fluge, und vielen tat es leid, dass dieser hoffentlich für alle schöne Tag zu Ende ging.

War es Anfang 1884 die Gründung eines Obst- und Gartenbauvereins, so fanden sich schnell aktive Flintbeker Bürger, die bereits 1890 dazu beitrugen, einen Schl.-Holst. Generalverein für Obst- und Gartenbau zu gründen. Aus diesen Anfängen unter dem Vorsitz eines Herrn Hartmann gründete sich 1917 der Kleingärtnerverein Flintbek/Voorde.

Unterstützt wurde dieser mutige Schritt vom Gedanken eines Herrn Schreber, der Bevölkerung durch eigenes Bearbeiten einer Ackerfläche für die Selbstversorgung in schwierigen Zeiten zu helfen. Daher spricht man auch noch heute vom Schrebergarten.

Urkundlich wurde der Verein 1935 in das Vereinsregister eingetragen. Doch man setzte sich über eine längere Zeit mit einer Vereinssatzung auseinander. Erst am 15.6.1936 erfolgte eine Beschlussfassung für eine eigene Satzung. Während der Jahre 1934-1945 wurden sämtliche Gartenvereine in der Republik von der damaligen Regierung von Berlin aus geleitet, sodass die jeweiligen Vorstände nur Vereinsführer waren. So kam es auch 1942 zu einer geänderten Eintragung im Vereinsregister. Der Name Voorde wurde gestrichen und der Verein lautete von nun an Kleingärtnerverein Flintbek e.V. und ist heute auch so beibehalten.

Unter der Leitung von August Jakops und Max Pürwitz entwickelte sich das Kleingartenwesen in Grö- ßenordnungen, die heute nicht mehr denkbar sind. Überall entstanden Kleingartenflächen, ob in Voorde und am Batterieweg, heute Orga-Gelände, an der Bahn Richtung Eiderheim, oder gar am Fehltmoor. 1947 betrug die Zahl der Gärten weit über 700. An Erholung und Freizeit dachte damals niemand.

Vorrangig war die Eigenversorgung mit Obst und Gemüse. Um der stetig wachsenden Nachfrage nach Gartenflächen Abhilfe zu schaffen, wurden Weideflächen z.T. zwangsangepachtet. So entstanden in den Jahren 1947-1953 auch die heutigen Gartenanlagen am Poggendiek mit den Kolonien Sö- renberg, Kattensaal und Kriegssägen.

Doch je mehr Wohlstand geschaffen wurde, desto mehr veränderte sich auch das Bild der Kleingärtnerei. Viele Flächen wurden im Laufe späterer Jahre an die Landwirte zurückgegeben. Ganze Kolonien wurden aufgelöst. So sind heute nur noch einige Gärten in Voorde und am Poggendiek übrig geblieben.

Waren Gärten früher Orte der Nahversorgung, so sind es aus heutiger Sichtweise Plätze der Erholung und Freizeit. Doch die Freude daran lassen sich die Gartenfreunde nicht nehmen. Der Nachfrage folgend wurden bereits einige größere Gartenflächen geteilt, sodass eine Nachfrage nach kleinen Gärten gestillt werden konnte. Der Verein zählt durch diese Änderungen z.Z. 107 Mitglieder. Es gibt immer mal Gärten, die abzugeben sind, doch werden diese durch eine Liste von Interessenten stets wieder besetzt. Wer Interesse an einem Garten hat, darf sich gerne auf die Warteliste setzen lassen.

Heute erfreut sich der Verein eines guten Miteinanders, was durch die Gemeinschaftsarbeit dazu beiträgt, auch bisher unbekannte Gartenpächter kennen zu lernen.

Es möge der Wunsch aller Gartenbesitzer sein, dieses gute Verhältnis untereinander auf die nachfolgenden Generationen mit zu übertragen, damit der Erhalt des Kleingärtnervereins Flintbek e.V. auch in Zukunft bestehen bleibt.

H. Boyke 1. Vorsitzender

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.